Ich bin beruflich Fullstack Software-Entwickler, ehem. "Web-Entwickler" (so wurde mein Beruf um 2000 noch bezeichnet). Ich kann Web-Interface und API, yay. Und SQL. Und C#. Und. Und. Und so ein Zeug halt. Wenn ich nur fest genug selbst dran glaube . Daneben beschäftigt mich unwahrscheinlich viel Nerdkram wie: Warum gibt es mich überhaupt, wer sind all diese Leute um mich herum und warum gab es einen Urknall und nicht einfach Nichts.
Jo. Und ich bin ein Vertreter der späteren Generation X, relativ nah dran an very-early Millennials, und mag nicht mit mittlerweile ziemlich alten Boomern in eine Kiste gesteckt werden, nur weil mein Bart anfängt zu ergrauen. Rapide zu ergrauen, grmpf. Ich hab mir jedenfalls noch auf Bilder von der blutjungen Madonna in der Bravo einen runtergeholt, in der Schule auf dem Klo. Nab programmieren gelernt, in dem ich Code-Listings aus Homecomputer-Magazinen abgetippt hab und dabei auf Bugs gestoßen bin, die ich selbst allein hab lösen müssen, noch ganz ohne Google und Stackoverflow. Ich hab auch erlebt, wie mein sonst abwesender Vater völlig unerwartet und entgeistert mitten am Tag daheim erschienen ist, nur weil er gedacht hat, der verdammte Dritte Weltkrieg ist gerade dabei auszubrechen. Wegen eines vermeintlichen NATO-Manövers. Ich sehe alles noch vor mir, ihn und den Rest meiner Familie, wie wir alle vor dem Grundig Farbfernseher gehockt und geschaut haben, was die Nachrichten berichteten. Wie wir heute wissen, haben bereits vollbetankte Sowjet-Kampfjets nur darauf gewartet, endlich in den Krieg zu ziehen und die Bombe abzuwerfen.
Meine Welt hat dementsprechend aus "The Day After" und "Terminator" bestanden. Und aus der "Star Wars" Trilogie. Neben einer Menge Plastikzeug und Blechkram von Karstadt und Quelle, der noch heute unverrotbar auf den Müllkippen liegt. Ich hab alle Lügen jemals geglaubt und dann erleben müssen, dass das Marsgesicht doch keines ist und wie George Lucas die Prequels verkackte, genau wie die komisch riechende Tante mit dem umgedrehten Fischglas aus dem Kirmeszelt es vorausgesagt hat. Hab auch schließlich begreifen müssen, dass der Kapitalismus uns doch nicht alle rettet und dass die Sozial-Demokratie nicht etwas ist, das man einmal erreicht hat und einem dann nie wieder weggenommen werden kann. Hat echt ein bissel wehgetan.
Und schuld an dem erratischen und provokativen Verhalten, welches ich zuweilen an den Tag lege, ist übrigens mein Arschloch-Gen. Ganz bestimmt. Hab ich so mal einem Apotheken-Prospekt entnommen, hat darin ein Obskurologie-Experte gesagt. Der muss es ja wissen.
Tschö mit ö.